Dienstag, 20. August 2013

TAG 24, Wachau und Wien zugleich


Kurz vor - Melk, Wachau // Melk - Wien 

Bis zur Schleuse Melk ist die Strömung gleich null. Ein Kajakfahrer nähert sich, wir unterhalten uns. Er ist auf dem Weg nach Belgrad, ist Dozent und genießt es, jede Sommerpause einen Teil der Strecke bis zum Schwarzen Meer zurückzulegen. Sein Ziel wird er schon innerhalb einer Woche erreichen, paddelt etwa 70 km am Tag und versucht sich auf 100 zu steigern. Wir sind etwas neidisch, nehmen aber sein Kompliment „Schönes Boot“ mit stolz geschwellter Brust dankend an.



IN DER STADT

Weil ein Freund von mir heute Geburtstag hat, beschließe ich nach Wien zu fahren. Ich lasse mich kurz vor der Schleuse absetzen, laufe mehrere Kilometer am Fluss entlang. In Melk bestaune ich die wunderschönen Gebäude und das Kloster, verlaufe mich, finde nach mehreren Umwegen die Autobahn-Tankstelle. Lange stehe ich am Straßenrand. Erst nimmt mich niemand mit, doch dann geht es Schlag auf Schlag. Ein Geschäftsreisender bringt mich nach St. Pölten, wo ich nur eine halbe Minute an der Autobahnauffahrt stehe, als schon ein freundlicher Mann aus China anhält, den ich bis Wien begleite. Aus dem Lautsprecher plätschert chinesische Popmusik.

Mein Freund Gerhard freut sich, als ich ihm nachmittags auf der Straße entgegen laufe. Meine Füße sind schmutzig, mein Gesicht sonnenverbrannt. Nach der Dusche, mit anderen Klamotten erkennt mich niemand mehr.

Es wird abend, wir machen Barbeque auf der traumhaften Dachterrasse. Ich heize den Kohlengrill an, beschmiere mich dabei über und über mit schwarzem Staub und bin irritiert, weil hier Menschen ihr Essen auf dem Feuer kochen, so nur zum Spaß, während es für mich schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Junge, schöne, kreative Wiener Künstler und Akademiker haben sich versammelt, wir teilen einen intensiven Abend und um Mitternacht gibt es Kuchen, der innen knallrot ist und außen eine weiße Creme mit Himbeeren trägt.

Es fängt an zu regnen und ich denke an meine Truppe, da draußen. Als sich die Wolken verziehen, erinnern wir uns, dass heute Nacht unglaublich viele Sternschnuppen fallen sollen. Leicht angetrunken kneife ich die Augen zusammen und kann doch nichts erkennen, zu blass ist der Himmel, zu hell vom Stadtlicht.


AM FLUSS

Derweilen erleben meine Kumpanen eine gefährliche Situation in einer Schleuse, werden beinahe zwischen Steinen und einem Frachtschiff eingeklemmt. Dann passieren sie die Wachau, werden durch ihre Schönheit für alles entschädigt. In der regnerischen Nacht, in der die Sterne ungesehen fallen, machen sie ein rauchiges Feuer, unter einer von Franz Plastikplanen.


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