Freitag, 9. August 2013

RECYCLINGBOOT IM JACHTCLUB

TAG 15
Ufer bei Steyregg
„No smoking, no fire, please!!“ schallt am Morgen durch den Wald. Jemand hat uns entdeckt und lässt sich dann aber von unserer Schiffbruchsgeschichte erweichen. Er rät uns, zwei Kilometer flussabwärts zum Jachthafen zu gehen. Alessandra und ich machen uns zu Fuß auf den Weg.
Quetzal hat wieder Wasser gezogen, ist aber nicht unter gegangen.
Im Jachtclub treffen wir eine Runde freundlicher Bootsbesitzer an. Sie sind sofort sehr hilfsbereit. Zwei Männer, Enrico und Christian, springen sofort auf, wir dürfen mit ihnen auf dem Motorboot zu unserem Schiff fahren. Wir verstauen das Gepäck und dann schleppen sie es ab. Ich sitze mit Christian auf der Quetzal, das Wasser steigt noch immer, wenn auch langsam. Die anderen winken uns vom Motorboot aus zu, sagen später, „du hast angespannt ausgesehen“. Derweilen wird es um meine Fußknöchel herum nass.
Im Motorboot- und Jachtclub Steyregg werden wir sehr herzlich und freundlich empfangen. Unsere spezielle Situation, unser seltsames Boot, lässt sie lachen. Mit einem Slipwagen zieht ein netter Münchner, Hermann, die Quetzal aus dem Wasser. Es beginnt an einigen Stellen zu Tropfen und zu rieseln, wir können die Lecks identifiziert. Einige Herren kommen, bringen eine elektrische Pumpe, besichtigen den Schaden, treiben Reparaturutensilien auf und überlegen Lösungen. Wir sind berührt von so viel Anteilnahme und unglaublich erleichtert, als sie uns anbieten, unsere Zelte auf der Wiese aufzuschlagen und so lange zu bleiben, bis wir das Boot reparieren können.


TAG 16
Jachtclub
Bis das Boot von der sengenden Sonne ganz durchgetrocknet ist, müssen wir warten. Wir fischen im Hafenbecken mit Brotkrümeln. Nach 15 Minuten haben wir einen kleinen Fisch am Haken. Alessandra tötet ihn mit ihrem Turnschuh. Abends gibt’s Fisch und Nudeln. Geht doch!

TAG 17
Jachtclub
Noch immer steigen die Temperaturen. Sie steigen auf 36, 37 Grad. In den kühleren Abendstunden schleifen wir den Kiel ab. Die Glasfaser ist an einigen Stellen gebrochen, die wir mit Polyesterkitt zuspachteln. Zwei Clubmitglieder bieten uns an, am nächsten Tag Glasfaser und Harz zu spenden.
Weil sie uns schmunzelnd beim Fischen beobachtet haben, und das gar nicht mit ansehen konnten, schenken sie uns außerdem sechs wunderschöne Forellen. Wir sind ergriffen von so viel Freundlichkeit. Der Fisch schmeckt fabelhaft.


TAG 18
Jachtclub
Wir kaufen eine Handpumpe und beginnen am Abend mit der Reparatur. Zu dritt liegen wir auf dem Rücken unter dem Boot und versuchen über Kopf Glasfaser und Polyesterharz aufzutragen. Es ist beschwerlich, klappt aber dann doch. Wir polyestern dabei auch unsere Haare mit ein.
Ein Mann, Franz Kaiser, kommt und stellt Fragen zu Boot und Reise. Und freut sich, weil er 2005 auch mit Freunden zum Schwarzen Meer gereist ist, auf einem alten Feuerwehrboot mit Motor. Er kommt ins Schwärmen, zeigt viel Anteilnahme und findet unser Projekt toll. Doch das Leck bereitet ihm Sorgen. Als er geht, bringt er uns noch Getränke gegen die trockene Kehle und legt uns Geld hin, Sponsoring, 100 Euro. Wir sind baff.
Trotzdem, am Abend denken Umut und Lisa darüber nach, bald nach Istanbul zu trampen, sie haben nur noch wenig Zeit und wollen lieber weiter ziehen, als noch länger auf etwas warten, was vielleicht letzten Endes doch ins Wasser fällt. Buchstäblich..

Keine Kommentare:

Kommentar posten